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Die Kuh, der Schuh, dann du

by Hans Fallada

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Damals, als ich noch Kuh war ... Ich bemerke übrigens gleich sofort, daß für den Leser keinerlei Grund zur Überhebung besteht. (Wer weiß, als was für eine Bakterie er einst herumkroch. Sein "Weibchen" in einer Hautfalte bei sich. Uaha! Du Spießer ...!) Ich habe mein ganz gewöhnliches, herrlich seltsames und sehr gottserbärmliches Menschendasein wie die andern alle gehabt, bekommen. Reingeschoben. Keiner hat was vor mir voraus. Gegenteil, Liebste! Da wir von Voraushaben reden, so bin ich ... Kraft der bürgerlichen Matrikel, Attestate und Bescheinigungen bin ich als Sohn eines höhern Staatsbeamten geboren, als Filius eines hohen verlebte ich meine spätere Jugend -: das sind allbereits einige Punkte, Aufhebens unwert, hier nur erwähnt wegen jener ... Überheblichkeit. Grundlos, stänkernd, gemein ist solches Überheben sicherlich, denn alles ging mal so, mal sorum -: immer aber recht (wie schlecht): menschlich. Mißverstandener Saftjunge natürlich; die Ältern gehaßte, sicher und unangreifbar kurvende Planeten; vor die manchmal weich winselnd hinzustürzen Brunst lockte (daß sie näher wärenl). So, wenn die Mama zu Ball ging. Ein Straußenfächer, eine nackte Brust, eine gepuderte Schulter natürlich und ein Winseln: "Bitte, Muttilieb, bleib hier!" Während sie sagte: "Zerdrücke mein Kleid nicht! - Hugo, wir müssen gehen!" So! Onanist natürlich. Aber die Onanisterei entdeckte ich selbst, über einem "Jugend"-Bild, das dann später, was zu rosig im Fleischton geraten, auf die Brust geklebt wurde, die vier Ecken mit Kleister auf das erschauernd geperlte Fleisch; - bis sich dann diese elend jammervolle Leberei zuspitzte und mich mang die Mauern hier riß, deren gelbe Tünche mit kleinen und unregelmäßig geformten roten nebst grünen Flecken bespritzt ist, die bei weitem Anschauen in ein übles Gelb zergehen. Fleisch jedennoch: wenn man traurig ist, wenn man, ins Bett gesteckt, nicht "aus" darf, kann man endlose sonnige Dampferreisen auf dem gelben Grund um die Buchten und Busen der roten, die Hömer, Klippen und Getürmtheiten der grünen Eilande machen; indes man leise was Wehmütiges singt, vor sich hin nur in die Kissen etwas ..., damit die Pfleger nicht schelten. Und - schlägt das Herz freieren Takt: schaut man zum Fenster, den Kopf um einen Viertelkreis wandab gewendet. Dieses Fenster ist groß, sicher drei Meter hoch und zwei ganze breit. Achtundzwanzig Scheiben hat es und kann ich auch die Wolken und die Züge der Dohlen auf dem Himmel hinter dem Glas nicht erkennen, der ...

Publication Details

Publisher:
Books on Demand
Publication Date:
2017

Format

  • OverDrive Read 1.1 MB
  • Adobe EPUB eBook 1.1 MB

Hans Fallada (Author)

Hans Fallada (Rudolf Ditzen) lebte von 1893 bis 1947 und war ein deutscher Schriftsteller.

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